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Geschichte
Die Entwicklungsgeschichte der Zukunft
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - und oft genug sind sie durchaus
vorhersehbar, angekündigt, ordentlich vorbereitet und geplant. Aber: Oftmals sind es die schockierenden Ereignisse, die unsere Zukunft wirklich prägen. Immer, wenn Gefahr droht, wenn das Leben oder die Existenz von Menschen auf dem Spiel stehen, entwickelt jedes menschliche Wesen einen primitiven, extrem starken Überlebenswillen. Dieser Wille ist es häufig, der einen maßgeblichen Fortschritt bedingt. Tatendrang und Kreativität, wie sie in solchen Extremsituationen entstehen, lassen sich unter normalen Umständen kaum entwickeln. Kurz: Fortschritte, d.h. Leistungen, die zukunftsweisende Wirkung hatten, wurden
in der Regel in Extremsituationen erzielt. Die heutigen modernen Geokunststoffe sind ein gutes Beispiel weltweit anerkannter Produkte mit enormem Potential - und sie haben ihren Ursprung in einer Katastrophe, die sich Mitte des letzten Jahrhunderts in den Niederlanden ereignete.
Der immerwährende Kampf der Holländer gegen die See erreichte im Jahr 1953 seinen Höhepunkt, als die Niederlande die schwerste Naturkatastrophe ihrer Geschichte erlebten. Als Folge schwerer Stürme wurde der südwestliche
Teil des Landes überflutet. Die Folgen: mehr als 1.800 Menschen ertranken, über 47.000 Häuser wurden zerstört, 201.000 Tiere verloren ihr Leben und 500 Kilometer
Deich wurden vernichtet. Mehr als 72.000 Menschen wurden obdachlos.
 
Der Deltaplan
Um solche Katastrophen in Zukunft zu verhindern, entwickelte die holländische Regierung den sogenannten "Deltaplan". Dieses Projekt sollte zunächst nur den Südwesten der Niederlande betreffen, wurde aber schon bald auf alle Küsten und Flußufer ausgedehnt, indem neue Deiche errichtet und die ursprünglichen Deiche und Dünen repariert, neu aufgebaut und verstärkt wurden. Die Ausführung des Projektes begann mit der Konstruktion der "einfachen Dämme" und endete
in den 90er Jahren als beispiellose "Tour de Force" unter Einsatz modernster Technologien und großer Mengen geosynthetischer Materialien im
östlichen Schelde-Schleusensystem. Am Anfang standen nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung. Zunächst mussten das Wasser beseitigt und die Dammbrüche mit Hilfe von Sandsäcken notdürftig geschlossen werden. Aufgrund der hohen Anforderungen und der eher geringen Wirksamkeit der konventionellen Jutesäcke entschlossen sich die Behörden
dazu, nach Alternativen zu suchen. Sie wendeten sich daher an die Firma Enka Industrial Systems (heute Colbond), um synthetische Fasern zum Einsatz in Sandsäcken, Sperrmatten und natürlichen Filterstoffen zur Reparatur der beschädigten Deiche entwickeln zu lassen.
Sandsäcke aus Polyamid
Diese großen, sandgefüllten Säcke wurden als Ersatz für große Naturstein und Betonblöcke verwendet. Sie wurden über Schleppschaufelbagger transportiert und mussten sieben
mal umgeladen werden, bevor sie ihren Bestimmungsort erreichten. Die einzige Vorsichtsmaßnahme beim Transport der vollen Säcke (, die ca. 1 Tonne Trockensand enthielten,) bestand im Abrunden der Kanten der Plastikeimer, die zum Auffüllen benutzt wurden. Nachdem im Jahr 1957 mit
dem Einsatz von Polyamidsäcken für 1 Tonne Sand begonnen worden war, waren nur zwei Jahre
später bereits Säcke mit einer Kapazität von 10 Tonnen verfügbar, und es wurde die Entwicklung einer Matte mit festem Ballast
in Betracht gezogen.
Wachsende Expertise
Die Installation von 20.000 Quadratmetern Enkalon Polyamid-Sandmatratzen mit Hilfe eines
speziell dafür entwickelten Roll-Pontons stellte einen weiteren Meilenstein dar. Dies war der Beginn des Einsatzes von vorgefüllten Sinkmatratzen. Mit steigender Anzahl technologisch fortschrittlicher und richtungsweisender Anwendungen in den Deltawerken, für die in großem Umfang Spezialausrüstung entwickelt werden musste, weckte das Potential der Leistungen von
geosynthetischen Materialien auch die Aufmerksamkeit anderer interessierter Parteien. Dies führte beispielsweise zum Einsatz von 30.000 Quadratmetern Sandmatratzen als Ufer- und Weidenschutz
für eine natürlichen Insel einer Ölfirma am Rio Magdalena in Kolumbien. Diese Installation kann als die erste vorgefüllte Bewehrung angesehen werden. Im Jahre 1962 entwickelte Colbond das "Enkalon" Dichtmaterial zur Uferabdeckung, von dem mehrere 100.000 Quadratmeter im Jahre 1964 in einem Schleusensystem in den Niederlanden zur Anwendung kamen.
In den späten
60er Jahren waren "Structofors"-Nonwovens für die Bewehrung und Abdichtung
von Asphalt der Vorgänger der später entwickelten Asphalt-Membranprodukte und Trennmaterialien für den Straßenbau.
Man kann also behaupten Colbond entwickelte das Mutterprodukt aller heute
gängigen gesynthetischen Asphalteinlagen.
Im Jahr 1973 wurde Enkamat
als Erosionsschutzmatte eingeführt, 1976 gefolgt von dem Polyestermaterial "Stabilenka" zur
Bodenstabilisierung. Nach
dem ersten Anwendungen in den Deltawerken nahm die Bedeutung geosynthetischer Materialien in einer Welt, die bis dahin von Beton, Stein und Basalt dominiert wurde, immer weiter zu.
Enkamat - Ein Zufallsprodukt mit Folgen
Das 30 Jahre junge Enkamat kann durchaus als ein Zufallsprodukt bezeichnet
werden, da es sich unerwartet während eines Spinn-Prozesses entwickelte. Die
Innovationskraft von Colbond weckten das Interesse, das Potential dieses
Produktes zu untersuchen. Einige der am Delta-Projekt beteiligten Personen
bemerkten, dass diese "zufällige Matte" einer künstlichen Wurzelstruktur sehr
nahe kam, die sich zur Stabilisierung der Bewurzelung natürlicher Pflanzen
eignen und daher ein integriertes Erosionsschutzsystem bilden würde. Diese
Eigenschaft wurde als nützlich für ein sehr effektives Verfahren zur Sanierung
von Ufern und Verstärkung von Vegetation erkannt. Durch extensive Tests und
vielfache Produktverbesserungen wurde Enkamat zu dem, was es heute ist:
eine Produktreihe bewährter, leichter und flexibler Erosionsschutzmatten.
Enkamat war zugleich der Ausgangspunkt für die Entwicklung der breiten Palette
von Enkadrain Dränmatten und dem ebenfalls seit Jahrzehnten zur
beschleunigten Bodenkonsolidierung eingesetzten vertikalen Dräns Colbonddrain.
Vom Sandsack zum laserverschweißten Geogitter
Der Deltaplan lässt sich in gewisser Weise auch als der Ursprung des darauffolgenden Durchbruchs der Geogitter betrachten. Polymer Know-How,
Expertise, Kundenorientierung, umfangreiche Tests und Forschungsarbeiten
bildeten die Grundlage für Entwicklung der heute weltweit anerkannten
Geokunstoffe von Colbond und damit zu führenden Herstellungskonzepten wie dem
patentierten, computergesteuerten Laserverschweißungsverfahren für das Geogitter Enkagrid.
Fazit: Seit den frühen Anfängen in den 1950er Jahren haben
geosynthetische Erzeugnisse erheblich an Bedeutung gewonnen. Man kann sich die heutige Baulandschaft nur schwer ohne diese stabilen, leichten Produkte vorstellen, die ihr enormes Potential in einer großen Zahl von Anwendungen unter Beweis
stellen.
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